ermigoa: (Bostich)
ermigoa ([personal profile] ermigoa) wrote2010-10-14 09:03 pm

EXTRA 11: Galaktisches Garrabo, von Verena Themsen

Diese Woche ist es endlich erschienen, das von mir sehnlichst erwartete EXTRA 11. Hauptfiguren sind Rhodan und Bostich - kein Wunder, dass ich schon von Anfang an große Hoffnungen hatte. Und der Roman hat die verdammt hohen Erwartungen mit Leichtigkeit übertroffen. Leute, ich bin hin und weg. Wer auch nur ein bisschen etwas für Arkoniden übrig hat, sollte sich dieses Heft schleunigst zulegen und genießen. Sowohl der Expokrat (Christian Montillon) als auch die Autorin (Verena Themsen) haben wirklich eine Spitzenleistung vorgelegt. Vom Konzept (Grundplot) bis zur Umsetzung begeistert mich hier einfach alles.

Zwischendrin hatte ich beim Lesen für einen Augenblick die Befürchtung, das Ganze würde wieder mal auf das so altbekannte wie unschöne Thema "Dumme Arkoniden kriegen allein nix auf die Reihe und brauchen terranische Helden, die ihnen die Kastanien aus dem Feuer holen!" hinauslaufen - aber nichts da; das hier ist eine rein arkonidische Angelegenheit. Auch die Terraner sind nur Schachfiguren in einem komplexen arkonidischen Garrabospiel, und Arteryst spricht so einiges aus, was unserem Oberterraner schon längst mal einer hätte sagen sollen.

Es gibt Action und Politik, lebendige Charaktere und nicht zuletzt eine wunderbare Analyse der arkonidischen Mentalität - hier stimmt einfach alles, von Bostichs persönlicher Entwicklung bis zu den Prioritäten der Medoroboter. Da ist nirgendwo auch nur die kleinste falsche Note drin.

Wir bekommen ein komplexeres und plastischeres Bild der arkonidischen Politik, das den Arkoniden ihre eigene Mentalität lässt und sie nicht auf "vertritt terranische Werte = gut" und "vertritt keine terranischen Werte = böse" reduziert. Oder auf "blind Bostichtreu" vs. "will Bostich absetzen". Prinzipiell imperatortreue Arkoniden, die deshalb noch lange nicht mit allem einverstanden sind, was Bostich tut: das war schon lange fällig.

Das Extra zeigt zudem eine sehr glaubwürdige Zwischenphase in Bostichs Entwicklung: Man sieht, wie weit er schon gekommen ist, denn dem Bostich des Jahres 1301 NGZ hätte niemand mit einem derartigen Wink mit dem Zaunpfahl etwas beibringen wollen – niemand wäre närrisch genug gewesen, zu glauben, das könne funktionieren. 1341 dagegen kann es das. Man sieht aber ebenso, wie weit er noch zu kommen hat. Endgültig lernen wird Bostich seine Lektion dann während der TRAITOR-Invasion – und sehr gründlich, wie wir gesehen haben. (Die Terraner übrigens waren auch nicht schneller darin, ihren Teil der Lektion zu lernen, wenn man sich das unkooperative, isolationistische Verhalten der Liga während TRAITOR - auch nach der Galaktikumsgründung! - ansieht.)

Arteryst da Quertamagin ist im übrigen ein Arkonide ganz nach meinem Geschmack. Mehr von der Art, bitte! Wieder mal einer vom „alten“ Schlag, wenn man das so sagen kann in einer Zeit, in der das längst wieder arkonidischer Mainstream ist. Einer, der sehr klare Vorstellungen davon hat, wie er seinem Imperator und seinem Imperium am besten dient – auch gegen den Willen des Imperators. Auch wenn er dazu den Imperator manipulieren und selbst zum Verräter werden muss. Und der, auch wenn er all das für notwendig erachtet, sich gleichzeitig doch nicht die Absolution dafür erteilt. Der flieht und überlebt, wenn er kann, aber nicht in Frage stellt, dass seine Verurteilung als Verräter gerechtfertigt ist. (Der nicht terranisch denkt und meint, gute Absichten sollten dabei irgendetwas zählen.) Und der Celista, der Arteryst am Ende tötet, ist ein Arkonide ganz von Arterysts eigenem Schlag. Was will man mehr? Perfekt.

Rhodan übrigens, der sich am Ende entscheidet, Arterysts Spiel mitzuspielen - sich zur Garrabofigur in Arterysts Spiel machen zu lassen: Von diesem Rhodan würde ich gern mehr lesen. Von einem, der am Ende über den eigenen Schatten springen kann, nicht partout allem seine Werte überstülpen muss. (Auch wenn es hier ein wenig heuchlerisch war, im Hinblick auf Terras späteres Verhalten während TRAITOR ...) Und ich hätte es wirklich gern, wenn die Serie allgemein mehr Anerkennung dafür zeigen würde, dass die Terraner nicht allein die Weisheit und die Ethik mit Löffeln gefressen haben. Von solchen Konflikten möchte ich mehr sehen zwischen Terranern und Arkoniden und sonstigen Völkern: Mentalitätsunterschiede, nicht Gut/Böse. Für die Zukunft: dass "Galaktikum" Kompromiss heißt – auch für die Terraner.

Ehrlich: Mich hat lange kein Heft so rundum begeistert wie dieses. Allererste Sahne.